Sind Eicheln für Pferde giftig ?

Eicheln  

Jedes Jahr aufs neue spätestens im Oktober werden nicht nur die Wald und Wiesenböden mit Eicheln überflutet, sondern auch die Pferdeforen; die Angst geht erneut um: "Hilfe, mein Pferd frisst Eicheln". Falschinformationen und Panikmache durch Horrorgeschichten schüren diese Ängste. Ein Pferd habe ausgeschuht (Rehe), nachdem es einige Eicheln frass, ein anderes sei nach einem Nachmittag auf der Koppel mit Eichenbestand an Kolik, gefolgt von Darmverschlingung eingegangen, usw.
Erschreckende Berichte, aber meistens sind diese völlig unsubstantiert bezgl. der Eicheln. Oftmals stecken gravierende Fütterungsfehler dahinter, wie kurz gefressenes, gestresstes Herbstgras mit hoher Pilzentwicklung im Inneren des Blattes, mangelndes Rauhfutter, zu hohe Proteinwerte des Gundfutters durch zB Silagefütterung, etc. und zufälligerweise [für den Besitzer] frassen die Tiere kurz zuvor Eicheln, wohlgemerkt aus einem bestimmten Grund, doch dazu mehr weiter unten.

Doch zuerst, was ist drin in der Eichel?
Eicheln enthalten Gerbstoffe, Quercitol, scyllo-Inositol und Mesoinositol, auch Myo-Inosit genannt, sog. zyklische Zuckeralkohole, Lipide in Form von Triglyceridensäuren, den ungesättigten ölsäuren, Linolsäure, gesättigte Fettsäuren, Proteine, freie Aminosäuren und ca. 38% Stärke. In historischen Notzeiten buk man aus Eicheln Brot und stellte Eichelkaffee her.
Die Rinde der Eiche hat einen weitaus höheren Gerbstoffgehalt zu verzeichnen, als in den Eicheln. Wichtige Gerbstoffe der Rinde sind die Ellagitannine, Quercitol und Triterpene. Für die Drogengewinnung wird nur die Rinde dreier Eichengattungen verwendet, die hergestellte Droge wird Quercus cortex genannt.
Die Wirkweise der Inhaltsstoffe wird als adstringierend (zusammenziehend) und virustatisch (Virenvermehrung hemmend) beschrieben. Resultierend aus den Anwendungsgebieten werden leicht antiphlogistische (entzündungshemmend), sekretionshemmende, gewebeverdichtende, die Kapillarpermeabilität (Durchlässigkeit der Blutkapillare für Wasser) hemmende, juckreizlindernde und mild oberflächenanästhesierende ( Nervenreize betäubende) Wirkungen zugesprochen.
Auch in der heutigen Zeit findet die Droge noch ihre med. pharm. Anwendung, zB in der Frauen- und Hautheilkunde, Veterinärmedizin und im Bereich Kosmetika. In der volkstümlichen Heilkunde ist der Bereich der Anwendung wesentlich grössser, und das schon seit vielen Jahrhunderten.

Warum fressen Pferde überhaupt Eicheln, die Blätter und Rinde?

Wenn Pferde die Rinde der Eiche und deren Laub und Eicheln fressen, ist das meist ein Hinweis auf evtl. Verdauungsprobleme, wenn sie ansonsten ausreichend gefüttert werden. Diese Probleme müssen nicht unbedingt von gravierender Art sein, sodass man sich Sorgen machen muss, denn Pferde handeln instinktiv und oftmals "verarzten" sie sich, bevor der Mensch überhaupt Symptome sieht. Die oben beschriebenen Inhaltsstoffe, die Gerbstoffe bilden mit den Eiweissen der Schleimhäute und aufgrund der gewebeverdichtenden Eigenschaft einen speziellen Schleim, der Viren, Bakterien, Pilze und Toxine ummantelt und derartig, ohne weiteren Schaden herbeizuführen, ausscheiden zu können. Gleichzeitig kommt es zu einem Zusammenziehen und dadurch Gewebeverdichtung der Darmschleimhaut, sodass Bakterien und andere Erreger weniger Einlass finden. Viele wissen um die Wirkung der sog. Bitterkräuter bei allerlei Darmbschwerden mit oder ohne Kotwasser, genau das verursachen die Gerbstoffe in den Eicheln auch, der Flüssigkeitsverlust des Darms wird gemindert.
Ein Pferd mit einer gereizten Darmschleimhaut oder entzündlichen Vorgängen im Körper wird sich, wenn es die Möglichkeit hat, nur zu gerne auf solche "Naturheilmittel" stürzen.

Warum sollen die Eichen samt all den Früchten für Pferde nun giftig sein?
Wie bei allem, die Menge macht das Gift und überängstlich braucht man in Deutschland und Nachbarländern wirklich nicht zu reagieren, wenn man nur einige wenige Dinge beachtet.
Fressen Pferde Eicheln in grossen Mengen und über längere Zeit, verringern sie damit die Aufnahme von Eiweissen aus dem Hauptfutter, was den Stoffwechsel durcheinander bringen und neue Probleme kreieren kann. Eine überdosierung durch Zufütterung der Droge oder selbstständiger Aufnahme der Rinde/Eicheln/Blattwerk kann zu Intoxikationen führen, die sich ua durch Leber - und Nierenschädigung, Gastroenteritis und Dermatosen äussern. Gerbstoffe können die Wirkung bestimmter Medikamente herabsetzen, da die Resorption im Darm gehindert wird.

Fazit
Da jedes Pferd individuell empfindlich reagiert, sollte man die Weiden zu dieser Zeit schliessen oder abharken, mehr als 200 bis 250 g tgl sollten ein Pferd nicht fressen, selbst dabei kann manches Pferd schon mit Vergiftungsanzeichen reagieren. Einzig und alleine die "Amerikanische Roteiche" ist hochgradig giftig, selten findet man diese Bäume in Europa in unseren Wäldern und nahe Weiden, sondern eher in Parks und Anlagen.

Copyright Iris Brown, TCVMP

2018